Sie sind hier:   Essen & Trinken in NRW / Specials / Bier Impressum| Presse| Mitmachen| Suchen| Sitemap
 
   
 
Expeditionen ins Bierreich


"Bier ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneien das Schmackhafteste, unter den Nahrungsmitteln das Angenehmste" 

Diese Auffassung des griechischen Philosophen Plutarch scheinen viele Deutsche zu teilen, schließlich liegen sie mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 108 Litern pro Jahr weltweit an Platz drei. Besonders in Nordrhein-Westfalen, das mit einem jährlichen Bierausstoß von knapp 25 Millionen Hektolitern (2008) Deutscher Meister ist, wird deutlich, dass Bier mehr ist als eine Mischung aus Wasser, Malz und Hopfen - hier wird wahre Bier-Kultur - wenn nicht sogar Bier-Kult gelebt. Wer sich auf eine alles andere als bierernste Entdeckungsreise machen möchte, kann Brauereimuseen, Biersommeliers, Brauhauswanderwege und Biergärten aufsuchen und dabei sein gelbes Wunder erleben. Hier ein paar Tipps: 

 

Brauereierlebnis in der einstigen Bierhauptstadt

Die erste Runde geht auf Dortmund: Viele Jahrzehnte lang galt die Revierstadt als die Bierhauptstadt in Deutschland und Europa. Bereits um 1900 lag der Schwerpunkt der deutschen Bierproduktion in Dortmund. 1993 nahm Dortmund mit einer Jahresproduktion von 5,6 Millionen Hektoliter noch den zweiten Platz unter den deutschen Brauereistandorten ein. Heute ist dieser Ausstoß nahezu halbiert und nur noch eine Groß-Braustätte in Dortmund verblieben. Dafür hat die Stadt dem Gerstensaft aber ein Museum gewidmet: Auf insgesamt 1.100 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeichnet seit 2006 das neue Brauereimuseum die Tradition der Bierherstellung nach und verknüpft sie mit industrie- und stadtgeschichtlichen Themen. Zwei Mal pro Monat bietet das Museum die offene Führung "Brauereierlebnis Dortmund" mit Besichtigung von Museum und Dortmunder Actien Brauerei sowie anschließender Bierverkostung . Und eine Tour mit einer echten Dortmunder Besonderheit bietet der Revierkönig: einen Bierbrauer-Rundgang mit "Stößchen", so heißt das etwa 0,1-Liter-Glas zum Anstoßen und Trinken zwischendurch

 

Unterwegs von (Brau-)  Haus zu (Brau-) Haus

Erheben wir nun das (nicht ganz so kleine) Glas auf Köln: Manch auswärtiger Biertrinker wundert sich über das geringe Fassungsvermögen der "Kölsch-Stange“, die nur Platz für 0,2 Liter Bier bietet. Daher kommt der Köbes (Bierkellner in rheinischen Kneipen) auch ständig mit Nachschub bis der Gast abwinkt. Wer übrigens in einem Kölner Brauhaus Wasser bestellt, muss schon mal damit rechnen, mit Sprüchen wie "Woll'n se Seife dazu?" abgespeist zu werden. Wer mehr über die Eigenarten des Köbes oder das hopfenbetonte Bier der Domstadt, das übrigens als Marke europaweit geschützt ist, erfahren möchte, kann sich auf den Kölner Brauhaus Wanderweg begeben: Gruppen werden hierbei durch die Altstadt an den historischen Brau- und Wirtshäusern vorbei - und in sie hinein begleitet. Bei Kölsch und Halvem Hahn lernt man viel übers Obergärige und erfährt etwa, warum Tony Blair auf Strümpfen über den Roncalliplatz rannte.

Jeden Samstag um 16 Uhr bietet KölnTourismus eine Dämmerschoppen-Kölschtour. Auf dem kurzweiligen Rundgang lernen die Teilnehmer die besonderen Spezialitäten  wie "Himmel un Äd" oder " Kölschen Kaviar" kennen. Und natürlich erfahren sie auch einiges über den Köbes und seine Eigenheiten sowie über das dem Kölner so lieb gewordene Pittermännchen.

Auch die Nachbarstadt Bonn bietet seit Kurzem ein feucht-fröhliches Gruppenangebot an: Die neue "Bonner Brau- und Wirtshaustour" führt durch vier Bonner Traditionswirtshäuser und bietet neben Wissenswertem zur Brau- und Wirtshauskultur Bonns auch rheinische Spezialitäten zur Verkostung (Buchungen: Tourismus & Congress GmbH Region Bonn, Tel.: 0228/91041-37)

 

Altbier an der längsten Theke der Welt

An der legendären längsten Theke der Welt dagegen ist Kölsch verpönt. In Düsseldorf trinkt man Alt, ein süffiges dunkles Bier. Wer jedoch glaubt, dass Altbier etwas mit "alt" zu tun hat, irrt. "Altus" kommt aus dem Lateinischen, bedeutet "hoch" und bezieht sich auf die hochsteigende Hefe dieses obergärigen Bieres. Bei einem Altbierabend, den die Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH für Gruppen anbietet, können die Teilnehmer die verschiedenen Altbiersorten kennen lernen. Nach einem Spaziergang zu einer der typischen Hausbrauereien mit gemeinsamem Abendessen folgt ein gemütlicher Bummel durch die Altstadt.

In der Landeshauptstadt lässt sich auch "Et leckere Dröppke mit Köbessen und Köchen" genießen: Die Tour mit Altbierverkostung in vier Hausbrauereien, einem rheinischen Gericht und einem Altbierpräsent wird etwa am 3. September und am 1. Oktober und auf Anfrage angeboten (Genussprojekte, Tel.: 0700/53253700)

Bierwissen - keine trockene Materie

Wer Bier nicht nur genießen, sondern sich auch theoretisch mit der Materie befassen möchte, kann auf speziellen Seminaren Fachwissen erlangen und vertiefen. "Bierkennerseminare" etwa bietet die Erzquell Brauerei im bergischen Wiehl und bei den Bierbrauseminaren im Bergischen Freilichtmuseum in Lindlar lernen die Gäste etwa am 19. September, ihr eigenes Bier zu brauen (Tel.:02266/96234).

In Hövels Hausbrauerei in Dortmund können Bierfreunde nicht nur bei Brauhaus-Führung und -Seminar ihre Fachkenntnis erweitern, sondern auch bei einem Biertest erfahren, ob sie so geschmackssicher sind, dass sie vier unterschiedliche Biersorten in neutralen Gläsern erkennen können (Tel.: 0231/914547-12, ).

Vom Bier-Sommelier bis zur Schatzkammer

Für den ersten Deutschen Diplom-Biersommelier Rainer Diekmann von der Pott's Brauerei in Oelde dürfte das kein Problem sein; er führt unter dem Titel "Expedition ins Bierreich" Biershows bei Gastronomen aus der Region durch. Aber auch die Brauerei selbst bietet besondere Einblicke: etwa in die gläserne Brauerei, die erste und einzige ihrer Art in Europa, ins Biermuseum, in die gläserne Bäckerei und Metzgerei, die Pott’s Schatzkammer sowie in das Gesaris Brunnenkino, eine 150-Grad-Videoprojektion auf einem riesigen Wasservorhang (www.potts.de).

 


Ganz großes Kino in Sachen Bier verspricht auch Warsteiner, eine der größten Privatbrauereien Deutschlands. In der Warsteiner Erlebniswelt werden die Besucher im Begrüßungskino und Multimediatheater in die Welt des Bierbrauens und die Brauereigeschichte eingeführt, bevor sie in der Waldparkbrauerei erleben können, wie das Bier gebraut wird (Tel.: 02902/885005, www.warsteiner.com). Die Gäste- Information Möhnesee bietet für Gruppen das Tagesprogramm "Möhne-Wellen und Warsteiner Welt", das neben dem Besuch der Warsteinerwelt einen geführten Talsperrenrundgang sowie eine Schifffahrt auf dem Möhnesee umfasst (Tel.: 02924/497, www.moehnesee.de). Was sich im Sauerland sonst noch so zusammenbraut, erleben die Gäste etwa auf den virtuellen und real existierenden Brauereibesichtigungen etwa bei Veltins (www.veltins.de) oder bei der Krombacher Brauerei (www.krombacher.de).

 

Auch auf der kulinarischen Museumsmeile in Nieheim geht's nicht ohne Bier: Das Westfälische Bier &  Schnapsmuseum innerhalb des Westfalen Culinarium führt die Besucher durch Geschichte und Geschichten rund ums Bier. Hier erfahren die Besucher etwa, dass Bier Frauensache war, dass früher Kultgegenstände rund um den Braukessel gelegt wurden um böse Geister abzuwehren und welche Biere man in anderen Ländern braut. 

Grenzenlosen Biergenuss bietet die Eifel: So gibt das Felsenkeller Brauhaus in Monschau einen Einblick in 150 Jahre Braukunst und in einen historischen Felsenkeller mitten im tiefschwarzen Schieferberg (www.brauerei-museum.de). Bei Bitburg in der Südeifel - also bereits im Nachbarland Rheinland-Pfalz – wo  schon seit 1560 der Hopfen wächst, können sich können Gruppen "Hopfenerlebnispakete" buchen und dabei alles über Anbau und Ernte der Bierwürze erfahren (www.hopfenbauer.de).

Prickelndes Vergnügen

Alt und Kölsch sind  bekannt - Wohl einzigartig in der Region ist das "Webster Brut", das das Webster Brauhaus in Duisburg produziert. Diese Biersorte wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut und nach der Methode Champenoise vergoren. Das sehr trockene und leichte Bier ist dank des hohen Kohlendioxid-Gehaltes sehr spritzig und wird nur in 0,75 l verkorkten Champagnerflaschen verkauft.
 
Bei diesem NRW Kulinarisch-Betrieb können  Bierliebhaber aber nicht nicht nur die prickelnde Speizialität kosten, sondern auch ein aphrodisierendes Biermixgetränk. Bei den Bierseminaren dagegen  steht die Herstellung des klassischen Gerstensaftes im Mittelpunkt.

 

 

Brauhaus im alten Badehaus

Und am Ende noch ein Prost auf die ehemalige historische Badeanstalt in Wuppertal, in der das Wasser nun - leicht verfeinert - durch den Zapfhahn des neuen Wuppertaler Brauhauses fließt (Tel.: 0202/255050, www.wuppertaler-brauhaus.de)

Nicht unerwähnt bleiben sollten an dieser Stelle eine der größten privaten Sammlungen ihrer Art, das über 4.000 Exponate umfassende Brauereimuseum von Heinz Bednarski in Kamp-Lintfort (Tel.: 02842/30604), das Erlebnis-Stadtspiel "Der Bierkrieg zu Münster" von StattReisen Münster (Tel.: 0251/4140333, www.stattreisen-muenster.de), die vielleicht kleinste Brauerei der Welt im Wohnzimmer von Walter Hüsges in Wesel-Büderich (www.walterbrau.de) und das naturtrübe BIO-Bier von der Wirtebrauerei Meierhof in Höxter (Tel.: 05275/1369, www.meierhof-brauerei.de).

Weitere Infos über Bier und das Brauwesen in Nordrhein-Westfalen hat der Brauereiverband NRW ins Netz gestellt. (www.bier-nrw.de).

 
nach oben